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Meldungen

Herzliche Einladung zur Mitgliederversammlung

Am Mitwoch, 15. Mai 2024, findet um 18 Uhr c.t. unsere nächste Mitgliederversammlung statt. Wir treffen uns auf der Rudelsburg über Bad Kösen, der Burgherr Thiemo v. Creytz Franconiae Tübingen, Rhenopalatiae München wird uns den Weg weisen. Wichtige Punkte der Tagesordnung sind die Neuwahl des Vorstands und die angestrebte Dynaminiserung unserer Kommunikation; eine detaillierte Einladung finden Sie weiter unten auf dieser Seite. Jedenfalls unverändert wird das Kernstück unserer Arbeit weitergeführt, das Jahrbuch Einst & Jetzt: Freuen Sie sich bereits jetzt auf unseren Band Nr. 69!

Wer am 15. Mai 2024 auf der Rudelsburg erscheint, kann ein druckfrisches Exemplar in Händen halten. Sollten Sie sich indes bald zu einer Mitgliedschaft entschließen, kommt unser Jahrbuch sogar einige Tage früher zu Ihnen – frei Haus. Sie sind herzlich willkommen beim Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung!

Das Tagebuch aus dem ‚Tollhaus‘

Im studentischen Jargon wurde die Festung Oberhaus in Passau, in der auch Studenten aus ganz Bayern wegen geringfügiger Vergehen einsaßen, Tollhaus genannt. Im Jahrbuch EuJ 68, 2023, Seite 153 – 170, schrieben dazu Hans Peter Hümmer und Andreas Mettenleiter über das Verfahren wegen Vergehens des Zweikampfes gegen Gfrörer, Angerer & Consorten vor dem Landgericht Fürth (1907/08). Dazu lieferte nun Martin Laubmann Thuringiae Heidelberg, Saxo-Borussiae Freiberg einen wichtigen Hinweis: Aus der Zeit 1903 bis 1911 existiert ein „Tagebuch Festung Oberhaus“, eigentlich ein Gästebuch, worin sich zahlreiche Delinquenten eintrugen, die ihre „Ferien“ dort verbrachten. Es handelte sich vorwiegend um Waffenstudenten sowie ihre Beihelfer, die „straffällig“ geworden waren. Darunter auch eine hübsche junge Gastwirtin.

Einige originelle Zeichnungen sowie Fotos schmücken das Album, darunter Foto, das die Herren F. Haußler Normanniae München, K. Hensold und W. Gfrörer Onoldiae und einen stud. Wiedmann beim Kartenspiel zeigt.

Drei scharfe Partien aus dem Jahr 1907 sind paukbuchartig verzeichnet und illustriert: Albin Angerer Moenaniae (xx) c/a Friedrich Stellwaag Onoldiae, Franz Vollnhals c/a G. Flierl Bavariae Erlangen und Albert Angerer Moenaniae (xxx) c/a Walter Gfrörer Onoldiae. Auch Georg Molitor Baruthiae, der Gastwirt Conrad Stahl (Erlangen-Rathsberg) und die Corpsdiener Johann Bezold (Bavaria), Kracker (Onoldia) und Hartmann (Rhenania) haben sich verewigt. Einige der Einträger hinterließen zusätzlich kernige Gedichte; als Beispiel soll ein Lied der „Angerer Brothers“ aus Würzburg zitiert werden. Es findet sich auf Seite 30. des Tagebuchs.

Wer hat dich du schönes Haus / Aufgebaut so hoch da droben / Wohl den Meister will ich loben / Nur so lang ich bin heraus / Lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl du schönes Haus! // Tief die Welt verworren schallt / Oben Häftlinge nur rasen / Scheidend wir dir einen blasen / Dass er tausendfach verhallt / Lebe wohl, lebe wohl, lebe wohl du schönes Haus! // Uns gebietet niemand Halt / Wollens wie bisher stets halten / Ewig bleiben treu die Alten. / Pass nur auf Herr Staatsanwalt! / Lebe wohl, lebe wohl! Hol dich der Teufel, Oberhaus! // The A[ngerer] Brothers / 18.V.–1.VI.1908.“

Die klandestine Drohung gegen den Staatsanwalt dürfte nach mehr als 115 Jahren verjährt sein. Albin Angerer, Erfinder der horizontalen Tiefterz, war viele Jahre später Fechtbeauftragter des KSCV und Leiter des Instituts für Hochschulkunde. Eine vollständige Auswertung dieses denkwürdigen Dokuments einschließlich der Illustrationen soll folgen.

Einst und Jetzt

Jahrbuch Einst und Jetzt, Band 69: 2024 wieder volles Programm!

Neubert, Michaela / Stickler, Matthias: „Olim meminisse iuvabit!“ Neuerwerbungen des Instituts für Hochschulkunde

Hümmer, Hans Peter: Oft zitiert und lange verschollen: Das Stammbuch des Frankfurter Senators Johann Georg Rössing, Erlangen, Jena und Göttingen 1796 – 1799

Herzog Carl August von Sachsen-Weimar: Schriftwechsel mit dem Senat der Universität Jena wegen studentischer Unruhen

Hümmer, Hans Peter: Die Legende vom ‚Ordo Metallicorum‘ zu Freiberg in Sachsen und das angeblich älteste Studentenwappen (1813/14)

Knof, Martin M.: Gloria ex amore patriae. Eine Spurensuche in der Frühzeit der Göttinger Holsteiner, Vandalen und der Holsatia in Kiel

Huy, Christian: Die Landwehr – das alte Mensurlokal des Göttinger SC

Hoffmann, Florian: Der corpsstudentische Verruf. Eine Annäherung am Beispiel des SC zu Gießen

Mettenleiter, Andreas: Franz Nolte Nassoviae Göttingen, Stifter des Corps Nassovia Würzburg, Verleger, Sammler und Arzt in Paramaribo [Surinam]

Koch, Hans-Reinhard: Otto Back (1834 – 1917) Onoldiae, Rhenaniae Bonn IdC, Dr. med. et theol. h.c., Bürgermeister von Straßburg im Elsaß

Dossmann, Martin: Das Bonner Corpsleben in der Besatzungszeit 1918 – 1926

Grün, Bernhard: „Burschen heraus, tragt die Fahne des Reichs voraus!“ Musik als Waffe der politischen Erziehung der Reichsstudentenführung

Textor, Horst-Ulrich: Wiedereröffnung der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Restitution des SC zu Aachen

Rink, Hermann: Die Fechtkommission des KSCV im Verbund mit der AGA und dem V.d.F.

Gatscher-Riedl, Gregor: Corpsstudentische Bezüge im Leben und im Roman ‚Memoiren eines Antisemiten‘ des altösterreichischen Schriftstellers Gregor von Rezzori (1914–1998)

Gatscher-Riedl, Gregor: Abschied von Harald Seewann

Über unser Jahrbuch

Der Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung gibt seit seiner Gründung das Jahrbuch Einst und Jetzt heraus. Erstmals erschien es 1956. Seitdem hat sich die Reichweite kontinuierlich vergrößert, vor allem in wissenschaftlichen Bibliotheken erfreut sich diese an der ältesten Verbindungsform ausgerichtete, aber alle Korporationen im Blick behaltenden Forschungsplattform steigender Akzeptanz. So wird unser Jahrbuch zur Quelle des Wissens über die Korporationen allgemein und die Corps speziell – für Freunde und Kritiker gleichermaßen.

Details zum Jahrbuch
Die rätselhafte Porzellanpfeife vom Münchner Marienhof

In München wird das Gelände nördlich des Rathauses als „Marienhof“ bezeichnet. Bis vor wenigen Jahren war es unbebaut, doch vor der Komplettzerstörung durch den Bombenkrieg lag hier ein dichtbebautes Stadtviertel, unter anderem das Judenviertel. Der Marienhof stellte das größte zusammenhängende Bodendenkmal in der Münchner Innenstadt dar.

Unter dem Mareinhof wird in wenigen Jahren die zweite U-Bahn-Stammstrecke Münchens verlaufen, sie ist seit 2019 in Bau. Zuvor haben Archäologen und Bauforscher ab 2011 dieses Gelände gründlichst untersucht. An der Einmündung der alten Schrammerstraße in die Theatinerstraße fanden sie die Reste des Kellers eines bis Kriegende stattlichen mehrstöckigen Gebäudes mit Geschäften im Erdgeschoss – einst das Anwesen Theatinerstr. 52. Der Keller war mit Schutt und unterschiedlichstem Hausrat aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfüllt.

Unsere Bildcollage zeigt das Gelände des Fundes, den Marienhof im Herzen München, kurz nach Baubeginn 2019, links unten, teils im Schatten, noch einige originale Mauerreste; links oben das ganze Fundstück, rechts unten der Farbschild im Detail. Bildrechte: München Wiki GNU Freilizenz / Archäologische Staatssammlung München, Stefanie Friedrich

Eleonore Wintergerst von der Archäologischen Staatssammlung München berichtete im Jahrbuch Einst & Jetzt Nr. 66, das 2021 erschien, von einem kleinen, beutelförmigen Porzellanobjekt, das man im Keller der ehemaligen Theatinerstraße 52 gefunden hat. Es handelt sich um den Saftsack einer Gesteckpfeife, also das Verbindungsstück, das zum Auffangen der beim Rauchen entstehenden Kondensflüssigkeiten dient. Auf seiner Vorderseite befindet sich ein  Farbenschild auf gekreuzten Schlägern. Die beiden Randstreifen sind Weiß, der mittlere ist indifferent Ocker/Sienabraun, wobei unklar ist, ob sich der Farbwert durch die Bodenlagerung oder Hitzeeinwirkung farblich verändert hat.

Auf dem Farbenschild stehen die verschlungenen Buchstaben VEAv!. des Zirkelspruchs „Virtus Et Amicitia vivant!“ – Tugend/Leistung und Freundschaft leben! Die Anordnung Weiß – Ocker/Sienabraun – Weiß legt nahe, dass es sich hier um den Farbenschild einer Schülerverbindung handelt. Weil der Farbenschild für alle Mitglieder einer Schülerverbindung gleich war, ist es durchaus wahrscheinlich, dass entweder der nicht mehr vorhandene Pfeifenkopf oder dessen Deckel zusätzlich personalisiert waren. Die mögliche Originalfarbe und der Zirkel harren noch ihrer Entschlüsselung.

VfcG fahndet nach Schlesier-Stammbuch aus den Jahren 1808 bis 1817

Das Stammbuch des Friedrich Carl Theophil (= Gottlieb) Reichel aus Liegnitz in Schlesien wurde im Jahr 2000 dem Verband Alter Corpsstudenten (VAC) übergeben, seither ist es verschollen. Es sollte in die Sammlung des Instituts für Hochschulkunde (IfH), Würzburg, integriert werden, doch dort ist es nicht zu finden. Letztmalig wird es in einer Liste, die vom 20. September 2000 stammt, knapp als ein „Stammbuch, Berlin 1809“ erwähnt. Im Jahrbuch, Band 68, aus dem Jahre 2023 nimmt sich der VfcG auf den Seiten 87 bis 116 der Sache an: Autor des Beitrags, hier zugleich oberster Fahnder, ist Hans Peter Hümmer.

Laut Beschreibung vom April 1963 hat das Stammbuch einen „zeitgemäßen braunen Ledereinband mit Randpressungen in Gold“. Am Buchrücken steht auf rotem Schild „Denkmal der Freundschaft“. Vorder- und Rückseite sehr abgeschabt, Paginierung und Register nicht vorhanden, das Format quer-oktav 18 × 11,4 cm, die Blattgröße 18 × 10,65 cm. Ein Aquarell mit goldenem Rand auf dem Vorblatt stellt einen Wasserfall mit grotesken Felsen dar, ein zweites Aquarell eine Flusslandschaft mit Bergen und Gehöft, ein drittes, datiert 1809, zeigt eine Tempelruine.

Die Einträge beginnen 1808, zur Gymnasialzeit und enden 1817 nach der Promotion Reichels. Die Jahre zwischen 1814 und 1816 weisen größere Lücken auf, was eine Teilnahme Reichels an den Freiheitskriegen nahelegt. Jedenfalls handelt es sich hier um eine höchst wichtige Quelle zur Datierung der verschiedenen Kränzchen in Berlin, Frankfurt an der Oder und Breslau.

Widerstand in der NS-Zeit – der Wingolf als Beispiel

In unserem Jahrbuch Einst und Jetzt, Nr. 51, 2006, erschien auf den Seiten 279 bis 314 ein großer Aufsatz über den Wingolf zur Zeit des Nationalsozialismus aus der Feder von Professor Karl Dienst. Darin äußert der Autor hellsichtig: „Gewiss sind die Übergänge in der Bandbreite möglicher resistenter Verhaltensweisen zum Nationalsozialismus fließend; sie wechselten bei den Einzelnen auch in biographischer und chronologischer Hinsicht. Auch die schnelle Herrschaftskonsolidierung der Nationalsozialisten ließ in vielen Fällen bald nur noch unterschwellige und letztlich resignierende Opposition zu. Institutioneller Widerstand wurde zunehmend schwieriger; Widerstand wurde tendenziell zur Privatangelegenheit, zur persönlichen Entscheidung zwischen Gewissen und Macht.“ Die kirchenpolitischen Optionen der Wingolfiten weichen indessen nicht signifikant von denen der übrigen Pfarrer ab.

In gewisser Hinsicht könnte mit aller gebotenen Vorsicht sogar von einer gewissen Bevorzugung von Optionen der Bekennenden Kirche durch Wingolfiten gesprochen werden, wenn man diese nicht auf Positionen der Dialektischen Theologie einschränkt und „Bekennende Kirche“ eher als einen Identifikationsbegriff und nicht so sehr als einen Organisationsbegriff versteht.

Wie dem auch sei: Der Begriff „Widerstand“ setzt hier jedenfalls die Anwendung eines erweiterten Begriffs voraus. Mehr dazu im Jahrbuch Einst und Jetzt, Band 51, erschienen 2005. Viel Freude bei der Lektüre!

Die Corps Leopoldia und Gasconia: Spurensuche in Lemberg

In Band 67 unseres Jahrbuches Einst und Jetzt hat Gregor Gatscher-Riedl seine Erkenntnisse zu den beiden Corps, die es im einst habsburgischen, später polnischen und heute ukrainischen Lemberg gab, ausführlich dargestellt. Auf Seite 224 f. steht zu lesen: „Am 20. Juni 1893 konstituierte sich in Lemberg das Corps Leopoolia mit den Farben Hellgrün-Dunkelrot-Hellblau (…) auf oben weiß-goldener, und gold-weißer Perkussion. Als Mützenfarbe wählten die Stifter Grün.“ In der Tageszeitung Kurjer Lwowski erklärte die Leopldia am 1. Oktober 1893 ihre Ausrichtung: „Indem wir die Form deutscher Gruppen als die geeignetste für die Verwirklichung unserer Ziele angenommen haben, haben wir deren Inhalte nicht übernommen und sind gleichermaßen weit davon entfernt, die Hochschuljungend zu germanisieren, (…) denn wir verpflanzen keine fremden Elemente nach Lemberg, sondern wollen nur das ergänzen, was uns seit langem gefehlt hat.“ Das ist sehr corpsstudentisch formuliert!

Im Frühjahr 1909 wurde dann das Corps Gasconia Lemberg gegründet, es führte rot-weißes Couleur. Allerdings gleicht die Suche nach Zeugnissen für dieses Corps, wie Gatscher-Riedl richtig bemerkt, eher eine archäologischen Kampagne. Doch wie schmal die Einzelnachweise auch sein mögen: Wichtig ist die Erkenntnis, dass das Corpsstudententum nie an nationale Grenzen oder ethnische Bedingungen geknüpft war. Die beiden Lemberger Corps würden heute zum Kösener Senrioren-Convents-Verband gehören, hätten sie denn die Zeitläufte überlebt.

Mitgliedschaft

Möchten Sie helfen, eine große Tradition in die Zukunft zu tragen?

Werden Sie Mitglied im Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung e.V.! Alle Damen und Herren, die sich für Hochschul- und Studentengeschichte interessieren, sind herzlich willkommen. Aber vielleicht liegt es Ihnen auch am Herzen, die große, seit dem Spätmittelalter bekannte Tradition der studentischen Gesellung zu fördern? Auch dann sind Sie hier an der besten Adresse! Die Mitgliedschaft ist nicht von der Zugehörigkeit zu einer Studentenverbindung oder einem bestimmten Korporationsverband abhängig.

Antrag auf Mitgliedschaft

Aktuelles

Zum neuen Band 69 des Jahrbuches Einst und Jetzt

Die 69. Edition des Jahrbuches erschien am 2. Mai 2024. Prof. Hans Peter Hümmer hatte…

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Einladung zur Mitgliederversammlung 2024

Einladung zur Mitgliederversammlung des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung (VfcG) Der Vorstand lädt alle Mitglieder und…

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Bild der VDS-Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch

In memoriam Paulgerhard Gladen

Am 13. Juli 2023 ist einer der profiliertesten Köpfe des KSCV verstorben, der Jurist und…

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